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KI schön wie nie?

KI schön wie nie?

KI schön wie nie?

Künstliche Intelligenz ist sicher das Thema des Jahres. Wer möchte, kann sich dazu ungefähr jede mögliche Meinung dazu aus einem sehr breiten Spektrum in den sozialen Medien abholen. Von Weltuntergang über Urlaub (oder Arbeitslosigkeit) für Alle oder Lösung der Klimakrise sind alle Perspektiven vertreten.

Auch soziale Organisationen wie wir müssen sich überlegen, wie sie mit der rasanten, technologischen Entwicklung umgeht. Schließlich ist KI-Software auch eine große Chance für weniger privilegierte Menschen, gut ausgebildet zu werden, die richtigen Informationen zu finden und ihre Selbständigkeit zu erhöhen.

Wenn wir diese Entwicklung in die richtige Richtung lenken, kann sie sehr vielen Menschen gute Unterstützung bieten. Inwiefern sollten wir also unsere Teilnehmer*Innen jetzt schon mit KI-Software vertraut machen?

Ich selbst, glaube nicht, dass wir etwas falsch machen, wenn wir neue Software im Büroalltag einsetzen, um Zeit zu sparen.

Welche Gefahren möglicherweise entstehen, sollte uns aber dennoch bewußt sein. Dazu möchte ich heute die Sichtweise des Geschichtsprofessors und Buchautor Yuval Noval Hariri vorstellen. Er hat beim Frontiers Forum im Mai über die Gefahren der Technologie gesprochen: Youtube: AI and the Future of Humanity

Das Frontiers Forum wurde 2015 von den Neurologen Henry Markram und Kamila Markram gegründet, die am Swiss Federal Institute of Technology (EPFL) in Lausanne arbeiten.

Hariri hat in seinem bekanntesten populärwissenschaftlichen Buch “Sapiens - a Brief History of Humankind”, die Entstehungsgeschichte der Menschheit beschrieben. In “Homo Deus” entwickelt er ein Zukunftsszenario angesichts einer rasanten, technologischen Entwicklung, die womöglich das Sterben verhindern und künstliche Lebewesen erzeugen kann.

Was ich hier versuche ordentlich zu kennzeichnen, wird laut Hariri eines der größten Schwierigkeiten im Umgang mit der künstlichen Intelligenz: Wir wissen bald nicht mehr, ob unsere Informationsquelle ein Mensch oder eine Maschine ist. Die Manipulation von Wahlen in den sozialen Medien war vor einigen Jahren schon ein Thema - russische Akteure sollen Trumps Kampagne unter anderem auf Facebook unterstützt haben.

Was damals zwar in der Auslieferung zwar datengestützte, aber inhaltlich oft plumpe Meinungsmanipulation war, kann von künstlicher Intelligenz schon jetzt deutlicher subtiler erstellt werden. Texte in verschiedenen Tonalitäten und dutzenden Sprachen werden innerhalb von Sekunden generiert. Die bekannteste KI-App, Chat GPT, in der Version 3.5 (integriert in die Suchmaschine Bing und kostenlos verfügbar) hat keine Schwierigkeiten damit, Texte auf verschiedene Persönlichkeitstypen, Altersgruppen oder ähnliche Merkmale auszurichten.

Auch Fotos und Videos sind als Beweis für Authentizität nicht länger nützlich. Auf der Seite Deepswap.ai gibt es eine einfache Demo, wie sich Gesichter in Videos austauschen lassen. Darunter findet ihr den wundervollen Button “Gesichtstausch jetzt” - für mich die Schaltfläche des Jahres;-)

Bildmanipulation dieser Art ist auch nicht nur die Domäne kürzlich noch unbekannter Anbieter von obskuren Apps, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch das alte Graphik- und Videossoftware-Mutterschiff Adobe Inc. integriert in die aktuelle Beta-Version von Photoshop eine Funktion, in der ihr Bildteile per Texteingabe generieren könnt.

Auch können Stimmen aus Audioaufnahmen so synthetisiert werden, dass ihr euch eure Gute-Nacht-Geschichte von Lady Gaga oder Winston Churchill vorlesen lassen könnt.

Manipulation ist also einfacher als jemals zuvor und Quellen zu verifizieren wird in Zukunft noch wichtiger. Gemäß der klassischen Taktik “Bekämpfe Feuer mit Feuer” gibt es natürlich auch schon Software, die euch hilft Deepfakes zu identifizieren. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz selbstverständlich.

Überhaupt ist künstliche Intelligenz so vielseitig und generell anwendbar, dass es sich nicht mehr lohnt, Software ohne künstliche Intelligenz herzustellen. “Ist da KI drin?” lässt sich also in den nächsten Jahren grundsätzlich mit “ja” beantworten. KI ist das Weizenmehl unserer Zeit.

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